Ouessant Haltung

Selbstgebaute Heuraufe, Winter 2010
Unterstand aus Holzgattern, 2006

Unter anderem wegen ihrer Größe brauchen Ouessantschafe relativ wenig Futter - wobei sie ganz schön verfressen sein können. Man rechnet ca. 300 qm Weideland pro Tier, so dass die Tiere schon auf relativ kleinen Wiesen gehalten werden können. Allerdings sind Ouessants sehr bewegungsfreudig und da sie als Herdentiere die Gesellschaft von mindestens 2 Artgenossen brauchen, sollten es doch mindestens 10 Are sein. Die Lämmer freuen sich auch über 'Hindernisse' oder was zum Klettern.

Neben einem an drei Seiten geschlossenen Unterstand, sollten ein Mineralsalzstein (Achtung, ohne Kupfer), täglich frisches Wasser und möglichst Heu zur freien Verfügung (beugt im Sommer Verdauungsproblemen vor) angeboten werden. In den Wintermonaten und während der Laktation kann man zum Heu auch Emd (zweiter Schnitt) und etwas Kraftfutter zufüttern, aber Achtung Ouessants neigen dazu Fett anzusetzen, das kann u.a. die Geburten erschweren und für jedes Futter gilt - langsam daran gewöhnen - bei plötzlicher Futterumstellung kann es Probleme mit dem Pansen geben. Beim Zufüttern auf 'Regelmäßigkeit' achten, sonst gibt es womöglich bei jeder Sichtung eines Menschen ein Blöckkonzert.

Mindestens einmal im Jahr müssen die Tiere geschoren werden. Bei der Schur sollte man auf die sogenannten Glöckchen achten, die einige Ouessantschafe am Hals haben. Der ideale Zeitpunkt für die Schur ist von vielen Faktoren abhängig, ganz so eng sehen es die Schafe aber nicht. An einem heißen Tag im Juni ist die alte Wolle schon lose, manchmal liegen die Glöckchen bereits frei, geht es sauberer und einfacher - dafür besteht die Gefahr von Sonnenbrand bzw. eines Hitzschlags. Andere empfehlen die Schur kurz vor der Geburt, da ist der Körper prall und es gibt keine Blessuren - aber seit ich einem Scherer zugesehen habe, hab ich Angst vor Frühgeburten, zumal man den genauen Geburtstermin ja meist nicht kennt. Nach der Geburt sollte man 2 Wochen warten, damit die Lämmer ihre Mütter wiedererkennen. Für den Scherer oder Tierarztbesuche ist es hilfreich, wenn man einen kleinen Pferch oder einen schließbaren Stall hat, an den die Tiere gewöhnt sind. Ich zweckentfremde dafür meine Gatter (Marke Eigenbau) des mobilen Unterstands. Nach der Schur ist der beste Zeitpunkt um die Tiere gegen Außenparasiten zu behandeln - es gibt auch Mittel die gespritzt oder oral verabreicht werden. Diese sind dann zu empfehlen, wenn die Tiere außerhalb der Schursaison befallen sind, was sich etwa durch häufiges Kratzen oder Wollverlust zeigt.

Die Klauen müssen öfter kontrolliert und gegebenenfalls geschnitten werden - je feuchter der Boden desto häufiger. Stehen ein paar Gehwegplatten zur Verfügung laufen sie sich selbst etwas ab. Fließt mal etwas Blut beim Schneiden ist das nicht so tragisch - Hauptsache es gibt keine Stellen mehr in denen sich Dreck ansammeln kann. Anschauliche Darstellungen zur Klauenpflege und Schur findet man z.B. auf der Seite der ostfriesischen Milchschafe.

Mindestens zweimal im Jahr, zu Beginn und Ende der Weidesaison sollte eine Wurmkur verabreicht werden. Wegen der Resistenzenbildung wird nicht mehr empfohlen gleich nach der Entwurmung die Fläche zu wechseln. Optimal ist eine gezielte Parasitenbekämpfung nach regelmäßigen Kotuntersuchungen - wie sie z.B. vom Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer angeboten werden. Impfungen sind eigentlich nicht nötig. Aber da man an den 'Kleinen' meist mehr hängt als an einem Schlachtschaf könnte eine Impfung gegen Clostridien (Breiniere und Tetanus) angebracht sein, die in seltenen Fällen u.a. bei drastischen Futterumstellungen zu plötzlichen Todesfällen führen können.

Die Brunstsaison ist von September bis Januar. Insofern kann der Bock in der Regel (wenn er kein Rüpel ist) das ganze Jahr über bei den Auen bleiben ohne dass die Lammungen allzuweit auseinander liegen und man Mitten im Winter mit Lämmern rechnen muss. Eine zusätzliche Kraftfuttergabe gegen Ende der Trächtigkeit bzw. während der Laktation ist daher auch selten nötig. Das Ablammergebnis der Ouessants liegt bei 100%, d.h. Zwillinge sind selten. Die Geburten verlaufen in der Regel problemlos. Die Lämmer sind verhältnismäßig groß und sehr vital. Man sollte allerdings für die ersten Wochen ein fuchssicheres Gehege haben - wobei in der Regel ein ordentlich gestecktes Elektronetz genügt - ich stecke in der Nacht einen kleineren Bereich ab, dann ist mehr Spannung auf dem Zaun und und die Lämmer können sich nicht so weit von ihren Müttern entfernen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Landschafrassen entwickeln sich Ouessantlämmer sehr schnell. Nicht zu letzt weil es fast ausnahmslos Einzellämmer sind und ihre Mütter alles geben. Die meisten Aulämmer haben mit sieben Monaten schon zwei Drittel ihres Endgewichts, so dass einer Erstzulassung in diesem Alter nichts entgegen spricht. Im Gegenteil, eine spätere Erstzulassung kann wegen Überfettung zu Problemen führen. Für Jährlingsschafe wird ein Ablammergebnis von 50% angegeben, bei uns lammen ca. zwei Drittel in der ersten Saison.

Dem, der mehr über die Grundlagen der Hobbyschafhaltung erfahren will, kann ich das preiswerte, kleine Buch "Alles für das Schaf, Handbuch für die artgerechte Haltung" von Annette Arnold und Rene Reibetanz vom Pala-Verlag, empfehlen.